Der nachfolgende Text ist von Peter Nydahl,
www.basale-stimulation.de und erscheint hier
mit freundlicher Genehmigung des Autors

 

 

Basale Stimulation®

in der Pflege

 

Basale Stimulation in der Pflege ist ein Konzept, das ursprünglich von dem Sonderpädagogen und heilpädagogischem Psychologen Prof. Dr. Andreas Fröhlich entwickelt wurde. Gemeinsam mit der Krankenschwester und Diplompädagogin C. Bienstein wurde dieses Konzept in den 80er Jahren in die Erwachsenenpflege übertragen und etabliert sich mittlerweile in vielen Bereichen der Pflege.

Ausgehend von Fröhlich's Grundgedanken möchten wir im Folgenden das Konzept der Basalen Stimulation in der Pflege kurz und verständlich vorstellen ...


Welche Gedanken liegen zugrunde ?

Fröhlich hat in den 70er Jahren ein neues Konzept zur Förderung schwerst mehrfach behinderter Kinder entwickelt, da die damalige Versorgung dieser Kinder sehr unbefriedigend war. Er war der Überzeugung, dass auch schwerstbehinderte Kinder erlebnis- und wahrnehmungsfähig sind, dass auch sie über psychosoziale Kompetenzen verfügen - auch wenn Außenstehende dies kaum registrieren können. Gleichzeitig verspüren diese Kinder ein elementares Bedürfnis nach Wahrnehmung, Bewegung und Kommunikation, können dieses Bedürfnis aber nur schwer selbständig erfüllen. Die Konsequenzen dieser sensorischen Deprivation können für die Betroffenen zusätzliche Wahrnehmungsstörungen und eine psychosoziale Isolation mit allen Formen des Hospitalismus bedeuten.

Wenn diese Kinder aber tatsächlich etwas wahrnehmen können, so sind sie auch kommunikationsfähig, nur muss die gemeinsame Form der Kommunikation Elemente enthalten, die die Kinder bereits wahrgenommen und kennengelernt haben, sonst würden sie damit überfordert. Mit einem entwicklungsorientierten Ansatz hat Fröhlich also den Kindern voraussetzungslose Wahrnehmungserfahrungen angeboten, die an sehr frühe, zumeist vorgeburtliche Erfahrungen anknüpfen: ein Spüren der Körpergrenzen, ein Sich-in-Bewegung-erleben, eine Lageveränderung im Raum oder auch das Entdecken des Inneren durch Vibrationen (somatische, vestibuläre, vibratorische Erfahrungen). Fröhlich hat erfolgreich entdeckt, dass die Kinder in ihren Möglichkeiten darauf reagiert haben und konnte so eine elementare Kommunikation entwickeln, die Kinder in ihrem Erleben begleitet und ihre Fähigkeiten fördert.


Was ist Basale Stimulation in der Pflege ?

Diese Grundgedanken haben Christel Bienstein und Andreas Fröhlich gemeinsam in die Erwachsenenpflege übertragen und gesehen, dass das Konzept der Basalen Stimulation bei schwerst beeinträchtigten Erwachsenen genauso Anwendung finden kann (die professionelle Pflege wurde dabei durch Fröhlich's pädagogischen Ansatz sehr bereichert.). Sie entdeckten, dass apallische und komatöse Menschen ebenso das elementare Bedürfnis nach Wahrnehmung, Bewegung und Kommunikation verspüren, dabei in ihrem Erleben aber stark gestört sind und ohne gezielte Anregung noch weiter geschädigt werden können.

Basale Stimulation in der Pflege versucht nun, auch solchen schwerst beeinträchtigten Menschen bekannte, elementare Wahrnehmungserfahrungen zu ermöglichen, um sie in ihrem Erleben zu begleiten und ihre Fähigkeiten zu fördern. Die reine basale Stimulation kann hier nun umfassender sein, da Erwachsene vielfältige Erfahrungen bereits gesammelt haben.


Was ist das Ziel dieser Pflege ?

Ziel der Basalen Stimulation in der Pflege ist die Begleitung und Förderung in der Fähigkeit zur Wahrnehmung, Bewegung und Kommunikation.


Welche Menschen brauchen basal stimulierende Pflege ?

Alle Menschen, die in ihrer Fähigkeit zur Wahrnehmung, Bewegung und Kommunikation eingeschränkt oder gestört sind, u.a.:

Bewußtlose, Beatmete, Desorientierte, Somnolente, Schädel-Hirn-Traumatisierte, Sterbende; Patienten mit hypoxischem Hirnschaden, Morbus Alzheimer, hemiplegischem, apallischem oder komatösem Syndrom, stark in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Patienten, Behinderte und auch Frühgeborene.

Wir verstehen den Patienten dabei als gleichwertigen Partner, als ganzheitlichen Menschen mit einer individuellen Geschichte und einer stets vorhandenen Fähigkeit zum Erleben, als einen Menschen mit dem elementaren Bedürfnis nach Ausdruck und Kommunikation in seiner gegenwärtigen Lebenssituation und mit einer Identität, die sich sowohl geistig wie auch körperlich manifestiert.


Wann ist Pflege basal stimulierend ?

Basal stimulierende Pflege entwickelt sich aus der Beziehung zwischen Patient und Pflegendem, sie ist hoch individualisiert und bietet dem Patienten gezielt aktivierende, fördernde Wahrnehmungsmöglichkeiten an. Wir begleiten einen Menschen auf seinem Weg. Ebenso führen wir keine Maßnahmen am Patienten durch, sondern entwickeln die Pflege mit ihm gemeinsam. Pflege wird hier als ein Angebot verstanden, über dessen Annahme der Patient entscheidet. Pflege ist Basis zur Kommunikation. Wir wählen dabei eine Kommunikationsform, die der Patient wahrnehmen und verarbeiten kann, zum Beispiel eine basal stimulierende Ganzkörperwaschung oder eine bestimmte Geschmacksrichtung. Wir begeben uns hier auf die Erlebnisebene des Patienten und vermitteln ihm dabei eine Kommunikation, die sich bei schwer wahrnehmungsgestörten Patienten auf elementare Inhalte bezieht: sich selbst erleben, die Grenzen des Körpers erspüren, eine Welt außerhalb des Körpers wahrnehmen, die Gegenwart eines anderen, interessierten Menschen fühlen.

Basal stimulierende Pflege ist strukturiert, sie vermittelt eine Körper- und Umwelterfahrung, berücksichtigt die individuelle Normalität des Patienten, ist sinngebend und immer ein in Beziehung treten, sie begleitet und unterstützt den Patienten auf seinem Weg. Dies bedeutet nicht zwangsläufig einen zeitlichen Mehraufwand, es geht vielmehr darum, die bisherige Pflege anders zu organisieren.


Welche Voraussetzungen sind nötig ?

  • Fachkompetenz (z.B. durch Basisseminar / Weiterbildung zur PraxisbegleiterIn für Basale Stimulation in der Pflege)
  • Geschulte Wahrnehmung
  • Kooperation mit allen an der Therapie Beteiligten
  • Wissen um persönliche Fähigkeiten und Grenzen
  • Aufbau und Erhalt einer individuellen Beziehung zum Patienten
  • Bereitschaft zur professionellen Interaktion
  • Berücksichtigung der Biographie und Wahrnehmungssituation des Patienten


Was bringt das ?

Neben zur Zeit laufenden, bisher aber noch nicht veröffentlichten Sudien liegen uns zahlreiche positive Erfahrungen von vielen KollegInnen vor, die folgende Resultate zeigen:

Patientenorientiert:

Kürzere Verweildauer

Schnellere Rehabilitation und besseres Outcome

Zunahme der Patientenzufriedenheit

Abnahme von kostenintensiven Verwirrtheitszuständen

Mitarbeiterorientiert:

Höhere Pflegekompetenz

Qualitätsverbesserung

Stärkere Identifikation mit dem Arbeitsplatz

Mehr Zufriedenheit und Motivation

Persönlichkeitsentwicklung

Betriebsorientiert:

Weniger Krankheitstage des Personals

Kaum Materialkosten

Ruf:"Patientenfreundliches Krankenhaus"

Effizientere Arbeitsabläufe

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und natürlich: mehr Menschlichkeit


Für weitere Informationen empfehlen wir www.basale-stimulation.de bzw. eine direkte Kontaktaufnahme mit mir

 

 
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